Warum zur Hölle ein Camp in Cottbus?

Von 24. bis 27. August wollen wir gemeinsam eine gute Zeit beim JWD-Camp im Strombad in Cottbus verbringen. Cottbus liegt im Süden Brandenburgs und ist wahrscheinlich für viele Antifaschist*innen im Bundesland als Nazihochburg bekannt. Aber auch das Bündnis Cottbus Nazifrei! dürfte einigen ein Begriff sein. Es gibt also Leute, die sich kümmern und auch wenn Rassismus in Cottbus alltäglich ist, gibt es hier viel Schönes zu entdecken.

Kurz notiert…
Cottbus ist, seitdem in den letzten Jahren vermehrt Geflüchtete die Stadt als Wohnort wählten, wieder eine Großstadt. Es leben dort ca. 100 000 Einwohner*innen. Bestimmend für die Region ist der Kohleabbau. Diese Großindustrie wird im Zuge des Strukturwandels hin zu umweltfreundlicheren Energien wegbrechen, was für die Stadt eine große Herausforderung darstellen wird. Schon jetzt gibt es für junge Menschen kaum Perspektive. Obwohl es eine Universität und andere Bildungseinrichtungen gibt, ziehen sie weg, um woanders zu studieren oder zu arbeiten, weil die Bedingungen andernorts besser sind. Ein recht typisches Phänomen für den Osten Deutschlands nach der Wiedervereinigung.

Viele Nazis, aber…
Schon vor der Wende begannen sich Neonazis hier zu organisieren. Die Partei Deutsche Alternative stellte eine führende Kraft dar. Sie war maßgeblich für die pogromartigen Ausschreitungen im Stadtteil Sachsendorf, einem Plattenbauviertel im Süden der Stadt, wo auch das Geflüchtetenheim war, verantwortlich. Aber es entstanden auch linke und alternative Strukturen, wie z.B. das Hausprojekt Zelle 79 mit dem Verein für ein multikulturelles Europa e.V., welches bis heute besteht.

So wie es immer eine recht große und militante Nazisszene in Cottbus gab, organisierten sich auch Menschen, um ihnen etwas entgegen zu setzen. Zudem trugen sie ihre Vorstellungen von einem schönen Leben abseits von Leistungszwang und Selbstoptimierung in die Gesellschaft, so dass in Cottbus einige subkulturelle Angebote zu finden sind. Da gibt es den alternativen Club Chekov, der an das Campgelände angrenzt und in dem wir auch feiern werden. Im Nordkiez findet ihr die Galerie Fango, wo junge Menschen ehrenamtlich Ausstellungen organisieren und eine Bar betreiben, und den Kost-Nix-Laden, der auch mit einem Stand auf dem Camp vertreten sein wird.

Alter Scheiß weicht neuem Scheiß
Auf den Straßen mussten sich Antifaschist*innen vor Ort jährlich mit den „Trauermärschen“ der NPD am 15. Februar, dem Tag der Bombardierung von Cottbus 1945, herumschlagen. Durch ein breites Bündnis konnten diese Aufmärsche verhindert werden und in diesem Jahr veranstaltete die Partei gar keine Demonstration mehr. Dafür marschiert seit Mai diesen Jahres der asylfeindliche Verein Zukunft Heimat alle zwei Wochen durch die Cottbuser Innenstadt. Auch hier gab es seitens des Bündnis Cottbus Nazifrei! Gegenproteste.

Alltag von Rassismus vergiftet
Mit dem Zuzug von Geflüchteten seit 2015 ist die Stimmung in Cottbus zunehmend von Rassismus bestimmt, welche sich auch in gewalttätigen Übergriffen zeigt. Laut dem Verein Opferperspektive ist Cottbus bzw. Südbrandenburg ein Hotspot für rechte Gewalt. Maßgeblich trägt zu dieser Situation die militante, neonazistische Hooliganszene bei. Inferno Cottbus war, bis zu ihrer Selbstauflösung im Mai 2017, die größte rechte Ultragruppe des FC Energie Cottbus. Das Stadion, indem Inferno zu Hause war, liegt übrigens direkt gegenüber dem Campgelände. Diese Gewalttäter tummeln sich jetzt unter bürgerlichem Anstrich bei Zukunft Heimat, neben Mitgliedern der Identitären Bewegung, welche vor kurzem eine Ortsgruppe Cottbus gründete sowie AfDlern, die ihren Wahlkampf hier führen, allesamt unterstützt durch Pegida Dresden.

Antifaschistisches Camp in Cottbus – yeah!
Gerade weil Neonazis in Cottbus so präsent sind, ist es cool, dass das erste JWD-Camp in Südbrandenburg statt findet. Wir wollen damit ein Zeichen für ein solidarisches Miteinander setzen und Antifaschismus für junge Menschen attraktiv machen. Vor allem möchten wir aber eine entspannte Zeit miteinander verbringen und es uns gut gehen lassen – dafür ist das an der Spree gelegene Strombad ein sehr geeigneter Ort!

Also, kommt zum JWD-Camp vom 24.-27. August im Strombad Cottbus!

Bildung: http://www.jwd-camp.org/programm/bildung/
Kultur: http://www.jwd-camp.org/programm/kultur/
FAQs: http://www.jwd-camp.org/faq/

JWD-Camp 2017
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